Welche Fotos braucht ein Kfz-Gutachten?

Ein Gutachten ist nur so gut wie seine Dokumentation. Diese Liste deckt ab, was ein Sachverständiger sehen muss — damit keine Nachfrage kommt und nichts nachträglich strittig wird.

Stand: 6. September 2026Lesezeit: 5 MinutenFachlich geprüft: Ingenieurbüro Kan GbR

Kurz gesagt

Ein Kfz-Gutachten braucht in der Regel 20 bis 40 Aufnahmen: vier Übersichten über die Fahrzeugecken, Kennzeichen, Tachostand, Fahrgestellnummer, jeden Schadenbereich einmal im Zusammenhang und einmal aus der Nähe — dazu die unbeschädigte Gegenseite zur Abgrenzung von Vorschäden.

Handyfotos genügen. Entscheidend sind Vollständigkeit, Tageslicht, ein sauberes und trockenes Fahrzeug und zwei Abstände pro Schaden.

  • Vier Schrägaufnahmen über die Ecken zeigen jede Seite doppelt.
  • Jeder Schaden: einmal Übersicht, einmal Nahaufnahme.
  • Kennzeichen, Tacho und Fahrgestellnummer sind Pflicht — sie identifizieren das Fahrzeug.
  • Auch die heile Seite fotografieren: Das schützt vor Vorschadenabzügen.
  • Nicht reinigen, nicht reparieren, nichts zurechtbiegen, bevor fotografiert wurde.

1. Die Pflichtaufnahmen

Diese Bilder braucht jedes Gutachten, unabhängig davon, wie groß der Schaden ist:

  • Vier Schrägaufnahmen über die Ecken — vorne links, vorne rechts, hinten links, hinten rechts. So ist jede Fahrzeugseite zweimal zu sehen, und die Gesamtgeometrie ist beurteilbar. Gehen Sie zwei bis drei Schritte zurück, das ganze Fahrzeug muss ins Bild.
  • Kennzeichen, gerade von vorn und lesbar.
  • Tachostand bei eingeschalteter Zündung — die Laufleistung geht direkt in die Bewertung ein.
  • Fahrgestellnummer (VIN), entweder am Fahrzeug oder im Fahrzeugschein. Sie identifiziert Modell, Ausstattung und Baujahr eindeutig.
  • Innenraum: Armaturenbrett, Sitze, Zustand — und bei Aufprall unbedingt ausgelöste Airbags und Gurtstraffer.
  • Reifen und Felgen aller vier Räder, Profil sichtbar.
  • Serviceheft oder Wartungsnachweis, falls vorhanden.

2. Der Schadenbereich richtig aufgenommen

Hier entscheidet sich, ob das Gutachten den Schaden vollständig abbildet. Die Regel lautet: zwei Abstände pro Schaden.

  • Übersicht (2 bis 3 Meter): Wo am Fahrzeug ist der Schaden? Es müssen benachbarte Bauteile mit im Bild sein, sonst lässt sich die Stelle später nicht zuordnen.
  • Nahaufnahme (30 bis 50 Zentimeter): Wie sieht der Schaden aus? Verformungstiefe, Rissverlauf, Lacksplitter, Spaltmaße.
  • Aus zwei Winkeln und möglichst mit seitlich einfallendem Licht — Dellen und Beulen sind sonst auf dem Foto praktisch unsichtbar.
  • Etwas Maßstäbliches daneben legen, wenn es auf die Größe ankommt: Zollstock, Lineal, notfalls eine Münze.
  • Die gegenüberliegende, unbeschädigte Seite desselben Bauteils — der direkte Vergleich beweist die Verformung.

Nichts vorher richten. Kein Ausbeulen, kein Abwischen von Lackantrag, keine provisorische Befestigung mit Klebeband. Alles, was verändert wird, bevor fotografiert wurde, ist als Beweis verloren — und was nicht dokumentiert ist, wird nicht bezahlt.

3. Fotos von der Unfallstelle

Diese Aufnahmen gehören eigentlich in die ersten Minuten nach dem Unfall — später sind sie unwiederbringlich weg. Wenn Sie sie haben, reichen Sie sie mit ein:

  • Endstellung beider Fahrzeuge aus vier Richtungen, mit Umfeld
  • Ampeln, Verkehrszeichen, Vorfahrtsregelung, Fahrbahnmarkierung
  • Bremsspuren, Splitterfelder, ausgelaufene Betriebsstoffe
  • Kennzeichen des Unfallgegners
  • Wetter, Licht- und Straßenverhältnisse

Die vollständige Reihenfolge an der Unfallstelle steht im Beitrag Unfall gehabt — was tun?

4. Handyfotos, die etwas taugen

Sie brauchen keine Spiegelreflexkamera. Sie brauchen Licht und Sorgfalt:

  • Tageslicht, kein direktes Gegenlicht. Bewölkter Himmel ist besser als knallige Sonne — harte Schatten verdecken genau die Kanten, auf die es ankommt.
  • Auto sauber und trocken. Nasser Lack spiegelt, Schmutz verdeckt Kratzer.
  • Kein Blitz auf glänzenden Flächen. Er erzeugt einen weißen Fleck genau dort, wo der Schaden ist.
  • Linse kurz abwischen. Der häufigste Grund für unscharfe Fotos ist ein Fingerabdruck.
  • Quer halten bei Übersichten, hoch bei Details.
  • Auf den Schaden tippen, damit die Kamera dort scharfstellt, nicht auf den Hintergrund.
  • Nicht zoomen, sondern näher herangehen — digitaler Zoom kostet nur Auflösung.
  • Originale behalten und nicht über Messenger versenden, die Bilder stark komprimieren. Auflösung und Aufnahmedaten sollen erhalten bleiben.

5. Die fünf häufigsten Fehler

  1. Nur der Schaden, kein Kontext. Eine Nahaufnahme ohne Übersicht lässt sich am Fahrzeug nicht verorten.
  2. Zu wenige Bilder. Wer drei Fotos schickt, bekommt eine Rückfrage — und verliert Tage.
  3. Fahrzeug schon repariert oder gereinigt. Der Zustand vor der Instandsetzung ist der einzige, der zählt.
  4. Kennzeichen, Tacho oder VIN vergessen. Ohne Identifikation kann das Gutachten nicht abgeschlossen werden.
  5. Vorschäden nicht mit aufgenommen. Wer einen alten Kratzer verschweigt, riskiert, dass später der gesamte Bereich als Vorschaden abgezogen wird. Offen dokumentiert kostet er meist nichts.

6. Warum eine geführte Erfassung hilft

Die Liste oben ist lang — und am Straßenrand oder in der Werkstatt denkt niemand an alle zwölf Punkte. Genau dafür ist die GutachtenHero-App gebaut: Sie geht Bereich für Bereich durch, zeigt für jede Position an, was gebraucht wird, und lässt sich nur abschließen, wenn nichts Wesentliches fehlt.

Sie fotografieren also nicht ins Blaue, sondern arbeiten dieselbe Reihenfolge ab, die ein Sachverständiger vor Ort auch abarbeiten würde. Das Ergebnis geht direkt ins Büro — ohne Wartezeit auf einen Ortstermin. Erstellt wird das Gutachten anschließend von einem Sachverständigen.

Häufige Fragen

Wie viele Fotos braucht ein Gutachten?

Meist 20 bis 40. Vier Übersichten über die Ecken, Kennzeichen, Tacho, Fahrgestellnummer, jeder Schadenbereich in Übersicht und Nahaufnahme sowie die unbeschädigte Gegenseite.

Reichen Handyfotos?

Ja. Moderne Smartphone-Kameras liefern genug Auflösung. Wichtiger als die Kamera sind Vollständigkeit, gutes Licht, ein sauberes Fahrzeug und zwei Abstände pro Schaden.

Muss ich das Auto vorher waschen?

Grob sauber und trocken sollte es sein. Auf nassem oder verschmutztem Lack lassen sich Kratzer und Dellen kaum beurteilen.

Warum auch die unbeschädigte Seite fotografieren?

Zur Abgrenzung von Vorschäden. Der Sachverständige muss belegen können, welche Schäden aus diesem Unfall stammen — das schützt Sie vor Abzügen.

Dieser Beitrag gibt den Stand vom 6. September 2026 wieder. Er beschreibt die übliche Praxis der Schadendokumentation und ersetzt keine Rechtsberatung im Einzelfall. Fachliche Prüfung: Ingenieurbüro Kan GbR, Landshut.

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Bereich für Bereich durch die Erfassung — vollständig, ohne Rückfragen, ohne Wartezeit auf einen Termin.